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Die SuperSize Me Antithese: U.S. Amerikaner nimmt 17kg mit McDonald‘s-Ernährung ab

Wer in den letzten Tagen online gewesen ist und seine einschlägigen Seiten zum heiß-geliebten Hobby, Training, Fitness und Ernährung studiert hat, der wird vermutlich nicht um diese vollmundige Schlagzeile herum gekommen sein: „Mann verliert innerhalb von 3 Monaten 37 Pfund an Körpergewicht durch McDonald’s-Ernährung.“  Kaum eine Newsseite, die nicht von diesem kuriosen, aber doch interessantem, Unterfangen des U.S. amerikanischen Schullehrers John Cisna aus dem Maisstaat Iowa berichtet hat. Diese Meldung ist deswegen so interessant zu lesen, weil sie unterschwellig suggerieren möchte, dass es eigentlich nicht so sehr darauf ankommt, ob man nun zu Fastfood greift oder derartige Fresstempel meidet, wenn man abnehmen möchte. Weitere Implikationen, die sich daraus ableiten lassen sind: Es kommt nur auf das Energiedefizit an – doch stimmt das wirklich? Ist das der Beweis, dass man auch mit Junkfood einen spitzen Körper erreichen kann? Dieses Experiment ist die Antithese der oftmals zitierten und zurecht umstrittenen SuperSize Me Dokumentation des Morgan Spurlock, der bereits 2004 für reichlich Furore sorgte und ich werde euch jetzt zeigen, was andere Newsseiten verschweigen!

Schlank mit Junk: Nicht neu oder?

Also – was ist hier tatsächlich passiert? Können gefrustete Kalorien- und Erbsenzähler nun getrost aufatmen, die Küchenwaage verstecken, das neue Küchenequipment einmotten und sich getrost beim Schotten (und anderen Konsorten) ohne schlechtes Gewissen schlank futtern oder steckt hinter der Geschichte noch ein wenig mehr? Zuerst möchte ich erwähnt haben, dass die Idee – Abnehmen mit Junkfood – nicht unbedingt neu ist. Ein ähnliches Experiment wurde bereits in vergangenen Jahren von Tom Naughton durchgeführt und in Form der Filmchens „FatHead“ ausführlich dokumentiert. Darin hat sich der Protagonist, ebenfalls mit Hilfe von good ol´Ronald McDonald, über einen Zeitraum von 4 Wochen (und einer täglichen Aufnahme von rund 2.000 Kilokalorien) um etwas mehr als 5kg erleichtert. [4][caption id="attachment_15930" align="aligncenter" width="384"]How it's done: Mit seinem Experiment "Fit2Fat2Fit" zeigte Drew Manning, wie man's macht. How it's done: Mit seinem Experiment "Fit2Fat2Fit" zeigte Drew Manning, wie man's macht. [7][/caption]Natürlich sorgte dies auch für zahlreiche Nachahmer, [5][8] darunter sogar einen Professor, der mit Hilfe einer Twinkie-Diet etwas mehr als 12 kg an Körpergewicht abnahm. [6] Ein anderes interessantes Experiment – Fit2Fat2Fit - wurde derweil von dem Personal Coach Drew Manning durchgeführt. Manning, der sich bestens in unserem Sport (und in Sachen Ernährung) auskennt, zeigte mit seinem persönlichen Experiment, wie man innerhalb von 6 Monaten gnadenlos verfetten kann, nur um dann im nächsten Halbjahr wieder in Topform zu kommen (und er hat es geschafft, dieser Teufelskerl!) [7] Auch wenn der gute Drew im letzteren Fall genau wusste, was er tat (und sich folglich in der „2Fit“-Phase gesund ernährt hat), hatten all diese Experimente eines gemein: Sie beachteten die thermodynamischen Gesetze und alle hielten ein striktes Kaloriendefizit ein, um ihre Ziele zu erreichen. Wie wir gleich sehen werden, ist das aber nicht die ganze Wahrheit.

Die Bestandsaufnahme: Wie man knapp 17 kg mit Junkfood abnimmt

Das Experiment von John Cisna lief über einen Zeitraum von 90 Tagen (oder 3 Monaten). Darin wollte der Schullehrer aus Iowa zeigen, dass man selbst bei einer vermeintlichen Fastfood-Ernährung etwas Gutes für seine Gesundheit tun und sein Körpergewicht reduzieren kann – wenn man nur die richtige Wahl trifft und Maß hält. Nicht das ihr nun denkt, dass sich der gute John nun gänzlich dem Rohkostsalat verschrieben hat. Denn laut eigenen Angaben ließ sich der 54-jährige von dem breiten Angebotsspektrum des Junkfood-Riesen inspirieren – und so fand dann und wann auch mal ein BigMac oder ein McSundae seinen Weg auf das Tablett des Abnehmhungrigen. (Ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass Ronald McDonald – als er von diesem Experiment hörte – sich voller Freude bereit erklärt hat sämtliche Mahlzeiten des guten John zu sponsoren oder? Immerhin wäre man ja reichlich bescheuert, wenn man diese Publicity nicht nutzen würde. [10]) Im Verlauf dieser 90 Tage, bei dem Cisna mit Hilfe seiner Schulklasse und einem von McDonald’s angebotenen „Full Menu Explorer“ [9] seine Mahlzeiten aufs Detail genau durchplante, gelang es dem Oldtimer sein Körpergewicht von 126kg auf 110 kg zu reduzieren (Zahlen gerundet) und seinen Gesamtcholesterinwert von 249 auf 170 zu senken (und den LDL-Wert von 173 auf 113 zu reduziert). Das ist doch gut … oder? Cisna, der gemäß Angaben 2.000 Kilokalorien pro Tag aufnahm, gestaltete seine Mahlzeiten wie folgt:
  • Frühstück: 2x Egg White Delight, 1x  Schüssel mit „Maple-Oatmel“ mit 1%iger Milch
  • Mittag: 1x Salat
  • Abendessen: von BigMac bis Eiscreme alles dabei (natürlich im Wechsel)
Die Autoren des Fooducate-Blogs machten sich einmal die Mühe, um das Experiment in Zahlen zu fassen. [1] Unter Berücksichtigung des Alters, des Gewichts und der Größe des Lehrers ermittelt man einen durchschnittlichen Energiebedarf (Gesamtumsatz) von  3.280 kcal. ronald_mc_donaldWir wissen ja bereits, dass ein halbes Kilogramm Fett im Schnitt durch das Einsparen von 3.500 kcal verbrannt werden kann. Nach Adam Riese hätte Cisna also 129.000 Kilokalorien (in Worten: Hunderneunundzwanzigtausend) innerhalb des gesetzten Zeitraums von 3 Monaten einsparen müssen, um das vorliegende Ergebnis zu realisieren. Das entspricht einem Tageskaloriendefizit von 1.500 Kilokalorien – eine Menge (Brenn)Holz! Um nicht darben zu müssen und um etwas für seine Gesundheit zu tun, entschloss sich der Lehrer des Weiteren zum Walking, welches er 4x pro Woche für 45 Minuten absolvierte. Berücksichtigt man wiederum die Körperwerte des Mannes, so kann man einen rechnerischen Kalorienverbrauch von 400-500 kcal pro Walkingeinheit veranschlagen. (Ob dieser Wert realistisch ist – darüber kann man spekulieren, aber der Mann wog ja auch fast 130 kg – lassen wir das mal so stehen). Gerechnet auf die Woche ergibt sich damit ein zusätzlicher Verbrauch von 250 Kilokalorien:
  • 3.280 kcal – 1.500 kcal = 1.780 kcal.
  • 1.780 kcal + 250 kcal = 2030 kcal
Um also die erreichten 16-17kg abzunehmen, hätte John nicht mehr als ~2.000 kcal pro Tag zu sich nehmen dürfen. Vorausgesetzt. dass alles mit rechten Dingen zu ging, wäre eine solche Reduktion des Körpergewichts durchaus realistisch und machbar – sofern das Ziel quantitativ erreicht werden soll und man die Qualität außer Acht lässt.

Diät mit Ronald McDonald – Eine gute Wahl?

Was meine ich nun mit quantitativ? Ganz einfach: Wenn es darum geht an Körpergewicht zu verlieren, dann ist für die meisten ganz klar, dass dies nur möglich ist, wenn man ein langfristiges Kaloriendefizit einhält. Dies hat John Cisna eindeutig geschafft, sonst hätte er seinen Körperumfang nicht derart stark reduzieren können. Aber – und das wird häufig vernachlässigt – dies bedeutet nicht, dass er sich gesund ernährt oder das er besonders viel Körperfett verloren hat. bmi-comparison1. Falsches Setup, falsche Messungen: Eine sorgfältigere Planung hätte nicht nur das reine Körpergewicht ins Kalkül genommen, sondern hätte obendrein auch den Körperfett- sowie Muskelmasseanteil pre- wie post-experimental gemessen. Erst dann hätte sich tatsächlich gezeigt, wie effizient eine solche „Junkfood“-Diät gewesen ist, denn was nützt es einem wenn man 16 kg abnimmt und sich anschließend heraus stellt, dass man damit gleich mehr als 10 kg an Muskelmasse – aktive Substanz die zum Energieverbrauch beiträgt – verloren hat? Immerhin haben wir es hier mit einem Defizit jenseits der 1.000 kcal Marke zu tun und kein Krafttraining, welches den Abbau schierer Masse verhindert. Hier wurden eindeutig die falschen Prioritäten – und ein kurzfristiges Ziel – gegen langfristigen Erfolg eingetauscht. Interessant wäre auch die Messung anderer Vitalparameter wie Blutdruck und HDL gewesen. (Denn es kommt eigentlich auf das Verhältnis von HDL zu LDL an). Wurden derartige Parameter vielleicht bewusst weggelassen? (Spekulation!)

2. Gewichtsreduktion ≠ gesunde Abnahme: Jeder, der schon einmal einen McDonald’s oder Burger King von innen gesehen hat und die Speisekarte kennt, der weiß mit welcher Art von Lebensmitteln (so man diese überhaupt noch nennen kann) zu tun hat. Die meisten Produkte sind durch ihre Kombination von Kohlenhydraten (Zucker), Fett und Salz darauf getrimmt, die höchst-mögliche Bekömmlichkeit für unser gustatorisches System zu generieren. In seinem Buch „Das Ende des großen Fressens,“ [3] erläutert David Kessler, wie genau diese Komponenten – und die hohe Verarbeitung – zu einer Überstimulation des Appetits und Belohnungszentrums sorgt (was wiederum zu einer erhöhten Kalorienaufnahme führt).

Das Essen in derartigen Lokalen ist also fett- und kohlenhydratreich, stark verarbeitet, wenig sättigend und relativ arm an Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralien. Wenig kauen, schnell verdauen. Dies alles sind Punkte, die ihr gerade in einer Diät (= Mangelsituation/-ernährung) berücksichtigen solltet, wo euer Körper ohnehin zu wenig von all den wichtigen Nährstoffen bekommt (immerhin befindet ihr euch in einem Kaloriendefizit). Die Jungs von Fooduccate haben die einzelnen Mahlzeiten von John einmal durch ein Kalkulationsprogramm laufen lassen – das Ergebnis kann man nicht unbedingt vital nennen. Verarbeitung_John_CisnaGanz ehrlich? Der Salat reisst es auch nicht mehr raus! Ein Großteil der Ernährung von John Cisna kann kaum als eine solche bezeichnet werden.

Abschließende Worte

Dies sind die Hauptaspekte, neben anderen Gesichtspunkten (etwa dem mangelnden Sättigungsgrad der Mahlzeiten oder dem Vermeiden von Heißhunger), die man tunlichst an diesem n=1-Experiment bemängeln sollte. John Cisna war bereits zu Beginn des Experiments (stark) übergewichtig – und war es auch danach. Er hat vermutlich einiges an Muskelmasse verloren und sich nicht besonders gesund (vitamin- und nährstoffreich) ernährt. Bis auf die Tatsache, dass er ein paar Kilo von seinem Frame gebrannt hat, kann man daraus aber nicht zwangsweise schließen, dass er sich damit einen Gefallen getan hat. Natürlich könnte man ihm zur (quantitativen) Gewichtsreduktion gratulieren (und das machen sicherlich auch viele). Kenner der Materie und all jene, die ein wenig Ahnung von Training und Ernährung haben, sehen die Augenwischerei, die mit dem vermeintlichen „Bombenerfolg“ hier betrieben wird. Richtiges Diäten geht definitiv anders.

Quellen

[1] Weingarten, H. (2014): The Shocking Math Behind Science Teacher’s McDonald’s Diet. In: Fooducate.com. URL: http://blog.fooducate.com/2014/01/10/the-shocking-math-behind-science-teachers-mcdonalds-diet/. [2] Grossman, S. (2014): Teacher Loses 37 Pounds After Three-Month McDonald’s Diet. In: Time.com. URL:http://newsfeed.time.com/2014/01/05/teacher-loses-37-pounds-after-three-month-mcdonalds-diet/. [4] FatHead (2009): FatHead. You’ve been fed a load of bologna. URL: http://www.youtube.com/watch?v=evcNPfZlrZs. [5] DailyMail.co.uk (2009): The fast food junkie who ate nothing but McDonald's and lost weight (although he did pick the healthy meal options). URL: http://www.dailymail.co.uk/news/article-1172338/Pictured-The-fast-food-junkie-ate-McDonalds-lost-weight-did-pick-healthy-meal-options.html. [6] Park, M. (2010): Twinkie diet helps nutrition professor lose 27 pounds. In: CNN.com. URL: http://edition.cnn.com/2010/HEALTH/11/08/twinkie.diet.professor/. [8] Colón, D. (2009): Life of pie: Losing weight by eating nothing but pizza. In: TampaBayTimes.com. URL: http://www.tampabay.com/features/fitness/life-of-pie-losing-weight-by-eating-nothing-but-pizza/1029472. [9] McDonalds.com: Full Menu Explorer. URL: http://www.mcdonalds.com/us/en/full_menu_explorer.html. [10] Tauscheck, M. (2014): Science teacher creates documentary based on McDonald's diet. In: KCCI.com. URL: http://www.kcci.com/news/central-iowa/science-teacher-creates-documentary-based-on-mcdonalds-diet/-/9357080/23750942/-/w7swjt/-/index.html.
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  • wieder mal ein klasse Artikel von Damian

    wieder mal ein klasse Artikel von Damian

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