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Erfahrung schlägt Theorie: Was wir vom Trial-and-Error-Prinzip lernen können

Wann immer man in der Zeit zurückreist und einmal die Werke und Errungenschaften der großen Denker und Erfinder rekapituliert, dann stellt man im Verlauf seiner Recherche eines fest: Sie alle haben Rückschläge erlitten und diese gemeistert. Sie haben sich nicht entmutigen lassen und unermüdlich nach einer Lösung für ein bestimmtes Problem gesucht – und sie auch schließlich gefunden. Der einzige Unterschied zu erfolgreichen Persönlichkeiten, an die wir uns auch heute noch erinnern, gegenüber Leuten, die der Vergessenheit geraten sind, ist jener: Wann immer sie zu Boden gegangen sind, haben sie sich erhoben, den Dreck aus den Klamotten geklopft und sich wieder in den Sattel geschwungen. Für viele ist die Erfindung der Glühbirne ein Paradebeispiel für ein solches Szenario. Man hätte Thomas A. Edison nach 1.000 unterschiedlichen Wegen fragen, wie man eine Glühbirne nicht konstruiert, und er hätte es vermutlich detailliert erläutern können. Warum? Weil es Berichten zu Folge ungefähr so viele Versuche benötigt hatte, ehe Edison das richtige Bauprinzip herausbekam. Konträr zur Annahme war die Erfindung der Glühbirne nicht etwa auf einen Glücksmoment oder eine Epiphanie zurückzuführen, sondern eine logische Konsequenz des Trial-and-Error-Prinzips und unermüdlicher harter Arbeit. Wie war das noch einmal? Versuch macht kluch…

Erfahrung: Einfach unersetzlich

Im Kraftsport und Bodybuilding herrschen – wie ihr vielleicht dezent bemerkt habt – unterschiedliche Ideologien und Paradigmen. Angefangen bei der Konstruktion eines Trainingsplanes, über die Wahl der Übungen, das Satz-Wiederholungs-Schema, Anzahl der Trainingstage, Pausenzeiten und Kadenzen bis hin zur stimmigen, auf die persönlichen Ziele abgestimmten Ernährung (z.B. Muskelaufbau oder Fettreduktion), die Nahrungsmittelwahl und –menge, sowie Meinungen über eine sinnvolle (oder sinnfreie) Supplementation. Machen wir uns nichts vor: Wie richtiges Bodybuilding auszusehen hat, ist eine Anschauung, die im höchsten Maße subjektiv ist. Echten Konsens gibt es nur bei wenigen Punkten, die ich bereits an mehreren Stellen (z.B. hier und hier) versucht habe darzulegen – und sie stellen eine Synthese aus Ernährungslehre, Chemie, Biologie, Physiologie und eine gute Portion Bro-Science („Wissen direkt aus dem Gym“) dar. Doch selbst ich würde mich nicht anmaßen und der Behauptung erliegen, dass ich die einzig wahre Erkenntnis gepachtet habe. Vieles von dem, worüber ich schreibe, basiert auf einem persönlichen Erfahrungsschatz und nicht alles davon fiel mir so einfach in den Schoß. (Das heißt, dass manche Sachen auch auf die „harte Tour“ gelernt wurden). Ich möchte nun sicher nicht behaupten, dass ihr jeden noch so dummen Fehler selbst machen solltet, aber wir alle wissen, dass manche Lektionen erst fruchten, wenn man die Karre selbst gegen die Wand gesetzt hat. Technisch gesehen wissen wir alle, dass wir etwas für unsere (langfristige) Gesundheit tun müssen, dass wir uns gesund ernähren und ausreichend Bewegung im Alltag haben sollten. Wir wissen, dass Alkohol und Tabak schädlich für uns sind und dass das Junk-Food unsere Arterien verstopft. Man muss auch kein Ernährungs- und Lifestyle-Experte sein, um das zu wissen und dennoch kriegen es so viele Leute nicht auf die Reihe, gesund zu leben. In der Theorie klingt alles so einfach, doch bei der Umsetzung harpert es. Für all die Dinge, bei denen eine unmittelbare Rückmeldung fehlt, ist die Verlässlichkeit auf Ratschläge und Tipps von Experten und Koryphäen sinnvoll. Würde man für jedes Mal, bei dem man zu Fritten und Burger greift, eine Instant-Herzattacke bekommen, dann würden die Menschen auch die Finger von dem Kram lassen – ganz so, wie ein Kind, dass sich an der heißen Kochplatte verbannt hat. Leider gibt es sehr viele Situationen, wo ein sofortiges Feedback ausbleibt. Die Folge: Schädliches Verhalten wird einfach wie gehabt fortgeführt.

Errare humanum est: Irren ist menschlich

Manche Dinge muss man einfach durch persönliche Erfahrung – die harte Tour – lernen, damit es sich auf ewig im Gehirn einbrennt und Teil der Persönlichkeit wird. Johann Wolfgang von Goethe sagte eins: „Es irrt der Mensch, solang er strebt.“ Ein anderes griffiges Zitat lautet ungefähr so: „Wir irren uns empor.“ Die Wahrheit ist, dass nur derjenige, der selbst Fehler macht, nachhaltig lernt. Daher kann man mit Fug und Recht behaupten, dass wir uns zum Erfolg hinaufirren. Die praktische Erfahrung schadet nur demjenigen, der durch Fehlschläge den Mut verliert und aufgibt, während der Erfolgreiche seinen Erfahrungsschatz dadurch erweitert und an seinen Misserfolgen wächst. Bei allem, was ihr für euren Körper tut (und das gilt auch für alle anderen Lebensbereiche) könnt ihr euch natürlich auf Trainer und Coaches verlassen, aber nur wenn ihr die Erfahrung aus erster Hand macht, werdet ihr wissen, wie euer Körper und Geist wirklich darauf reagiert. Habt ihr euch schon einmal gefragt, warum es so viele Wege gibt, einen Top-Body aufzubauen und warum es an Konsens mangelt? Wir besitzen zwar alle denselben Schöpfer und sind nach dem gleichen Bauplan gebaut, aber dank Genetik und hormonellen Unterschieden gibt es da das gewisse Etwas, dass man Individualität nennt. Eine unberechenbare Variable in der Gesamtgleichung. Vielleicht hat euer Coach negative Erfahrungen mit einer ketogenen Ernährung gemacht. Vielleicht verfügt er über eine bestimmte Lebensmittelintoleranz oder einfach nur eine persönliche Abneigung gegen gewisse Trainingsprinzipien, Nahrungsmittel oder Supplemente. Es ist nur logisch, dass er – aufgrund persönlicher Erfahrungen – einen subjektiven Standpunkt einnimmt und euch ggf. davon abrät, all diese Dinge auszuprobieren. Der Knackpunkt: Was ist, wenn gerade die ketogene Ernährung für euch atemberaubende Ergebnisse produzieren könnte? Was ist, wenn das genaue EUER Ding ist, die Diät dadurch wie ein Spaziergang anmutet oder eure Kraft durch die Decke geht? Was, wenn das Trainingssystem, von dem euch euer guter Kumpel abgeraten hat (weil es bei ihm eventuell nicht anschlug o.ä.), euch die besten Gainz eures Lebens bescheren könnte? Wenn ihr es nicht selbst ausprobiert und die Erfahrung macht, werdet ihr es nie erfahren. Hier gilt es ein gesundes Mittelmaß zwischen praktischer Erfahrung und theoretischem Hintergrundwissen zu finden. Wir leben in einer Welt des permanenten Wandels – auch unsere Körper (und seine Chemie) verändern sich im Verlauf der Jahre, weshalb Konzepte, die im Jugendalter hervorragend funktioniert haben, im fortgeschrittenen Alter an Effizienz und Durchschlagskraft verlieren. Wir wissen heute z.B., dass ältere Menschen von einer höheren leucin-reichen Proteinmenge in der Mahlzeit besser profitieren, als ein Jungspund. Auch die Regeneration lässt mit steigenden Lebensjahren nach, weshalb ein Umdenken in der Art und Frequenz des Trainings stattfinden sollte. Letztlich verändert sich auch das hormonelle Millieu, der Testosteronspiegel sinkt, der Stoffwechsel nimmt ab und vielleicht ist eine stark kohlenhydrathaltige Ernährung dann doch nicht mehr die ideale Option, wenn es um den Erhalt eines definierten, muskulösen Körpers geht. All diese Dinge müssen allerdings am eigenen Leib erfahren werden, bevor man die Ideen akzeptieren oder verwerfen kann – die entsprechenden Erfahrungswerte kann einem kein Coach und kein Trainer vermitteln.

Das n=1 Troubleshooting

Aus den oben genannten Gründen ist es wichtig, eigene Erfahrungen in Form von Experimenten zu machen. Schaut euch die Bodybuilder in der Pre-Contest-Phase an: Die meisten von ihnen starten einige Woche vor dem eigentlichen Wettkampf einen Testlauf, etwa beim Entwässern und Laden oder beim Einsatz bestimmter Supplemente. Nur ein Wahnsinniger würde direkt am Wettkampftag (oder kurz davor) Methoden anwenden, die er vorher nicht am eigenen Leib erprobt hat – egal ob der Trainer das während seiner goldenen Zeit so gemacht hat oder nicht. Niemand kann wissen, wie euer Körper auf Methodik X reagiert. Daher empfehle ich den meisten Leuten auch eigene Erfahrungen in Sachen Training und Ernährung (sowie Supplementation) zu sammeln. Selbst wenn ich schlechte Erfahrungen mit einem bestimmten Konzept habe, nehme ich nicht automatisch an, dass es sich um Bullshit handelt - Erst recht nicht dann, wenn andere Leute offensichtlich damit gut gefahren sind und eine Bomben-Optik haben. Nur ein Narr würde etwas verschmähen, dass er nicht selbst erprobt hat. Habt ihr die Erfahrung aber erst einmal gemacht, dann wird sich euch lebendig in Erinnerung bleiben – die Kenntnisse, die explizit auf euren Körper maßgeschneidert sind, kann euch dann keiner mehr nehmen. Auf diese Art und Weise seid ihr noch besser für die Zukunft gerüstet und könnt Strategien entwickeln, die euch vor einmal begangenen Fehlern in Zukunft schützen. Einen guten Coach erkennt man oftmals daran, dass er a.) selbst eine ganze Menge durchgemacht hat und folglich aus den Vollen schöpfen kann und b.) dass er seine persönliche Erfahrung und sein Know-How durch das Training und Coaching weiter verfeinert (und dadurch sieht, wie ANDERE auf seine Methoden ansprechen). Dies ist auch der Grund, weshalb viele Leute mehr auf die Meinung von Personen geben, die bereits dort waren, wo man selbst hin möchte – ein dicker Diätcoach ist nur in den wenigsten Fällen glaubhaft, auch wenn er fachlich zu den Besten seiner Zunft zählen könnte.

Abschließende Worte

Die Quintessenz des heutigen Artikels ist folgende: Jedes Konzept, welches existiert und nachweislich gute Ergebnisse liefert, hat seine Daseinsberechtigung. Selbst wenn ihr euch ein solches Training oder eine solche Ernährung (noch) nicht vorstellen könnt, gibt es Personen, die damit erfolgreich sind – es muss also auch da ein Körnchen Wahrheit dran sein. Ob und wie viel Wahrheit in einem solchen Ansatz steckt, könnt ihr aber nur herausfinden, wenn ihr es an eurem eigenen Leib ausprobiert. Die beste Diät bringt euch rein gar nichts, wenn ihr der einzige seid, der darauf nicht anzusprechen scheint. Ein Trainingskonzept, welches bei euren Freunden für große Zuwächse sorgt, ist ungeeignet, wenn ihr selbst davon nur wenig profitiert. Umgekehrt kann es sehr wohl sein, dass ihr trotz schlechter Publicity mit einem System zufrieden sein werdet, mit dem andere Menschen nichts anfangen können. Ein guter Trainer kann euch in der Beziehung natürlich mit Rat und Tat zur Seite stehen und wertvolle Tipps liefern. Er kann euch aber die individuelle Erfahrung nicht abnehmen. Ihr solltet niemals Angst davor haben Fehler zu begehen, denn Kurskorrekturen kann man immer durchführen. Die einzige Schande liegt darin, mittendrin aufzugeben und sich von derartigen Rückschlägen entmutigen zu lassen. Keine Fehler, kein Wachstum, denn: Es irrt der Mensch, solang er strebt.
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