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Mythos: Mehr Schwitzen für mehr Leistung und eine bessere Fettverbrennung

Neulich im Fitness-Club: 35 Grad, stehende schwüle Luft im nicht klimatisierten Kraftraum. Man schwitzt alleine schon vom Dastehen ohne sich überhaupt sportlich zu betätigen. Die heißt Luft drückt und man hat den Eindruck das auch die Leistung irgendwie davon beeinflusst ist. Das Trainingsoutfit sieht kurze Hose und Trägershirt vor, da man ansonsten vor die Hunde geht. Auf einmal betreten 2 Studiomitglieder die Halle. Lange Hose, Kapuzenpulli und darunter noch 1-2 Shirts. Was andere nicht einmal im Winter tragen, wird hier über das ganze Training getragen. Irgendjemand muss Ihnen erzählt haben, dass man mehr Fett im Training verbrennt wenn man mehr schwitzt oder das man durch mehr schwitzen in der Lage ist besser zu trainieren. Wie sieht es aus mit dieser These?

Körpertemperatur und die Aktivität von Enzymen

Zunächst einmal ein kleiner Ausflug in die Thermoregulation des Menschen. Schwitzen ist ein Teil davon. Mit dem Schweiß versucht unser Körper sich überschüssiger Wärme zu entledigen um damit die Körpertemperatur zu regulieren. Es geht dabei um Verdunstungswärme die mit der Abgabe von Körperwärme verbunden ist. Punkt 1 also schon an dieser Stelle: Gibt man dem Körper durch zu viele Schichten Bekleidung über der Haut keine Chance zur Verdunstung von Schweiß, hebelt man den gesamten Mechanismus absichtlich aus! Mit Schweiß verlieren wir Wasser und Elektrolyte. Ohne sich stark körperlich zu betätigen schwitzt jeder von uns im Durchschnitt etwa 100-200ml pro Tag. Mit körperlicher Aktivität oder bei hohen Umgebungstemperaturen kann sich die Schweißmenge auf 10-14 Liter pro Tag anheben.  Während beim Stress-Schwitzen Hormone wie Adrenalin und Noradrenalin für eine Verengung der Gefäße sorgen wird beim thermoregulatorischen Schwitzen die Durchblutung eher gefördert damit möglichst viel Wärme über das Blut transportiert werden kann. Eine konstante Körpertemperatur ist deshalb so wichtig, weil die Aktivität von Enzymen stark von der Temperatur abhängig ist. Enzyme sind die Katalysatoren  (Beschleuniger) unzähliger Stoffwechselvorgänge und beeinflussen so auch die körperliche Leistungserbringung. Die sog. RGT-Regel besagt, dass die Aktivität von Enzymen höher und besser ausfällt, je wärmer es ist, allerdings nur bis zu einer bestimmten Temperatur. Ist diese erreicht, kommt es zu einem drastischen Abfall aufgrund eines Vorgangs der sich Denautierung nennt. In Ruhe liegt die maximale Temperatur bei 37 Grad, im Sport beträgt Sie 38,5 bis 39 Grad.  Alles was darüber hinaus stattfindet wird sich leistungsmindernd auswirken, da nicht nur die Enzymaktivität nachlässt, sondern auch die Bindungsaffinität für Sauerstoff an rotem Blutfarbstoff (Hämoglobin) reduziert wird und so weniger Sauerstoff transportiert werden kann. Alle aeroben Stoffwechselvorgänge werden so limitiert. Letztlich ist es also wichtig, immer die optimale Körpertemperatur anzustreben wenn man sich sportlich betätigt. Zu niedrige Temperaturen sind kontraproduktiv, zu hohe aber auch. Während wir Kälte über ausreichend Kleidung und ein Warm-Up im Training selbst beeinflussen können, übernimmt eigentlich der Körper selbst die Arbeit wenn es ihm zu heiß wird. Dagegen arbeiten können wir hier aber, indem wir alle Stellen unseres Körpers mit einigen Schichten Stoff bedecken und so Verdunstungsvorgänge hemmen. Hyperthermie und der genannte Einfluss auf die Leistungsfähigkeit können die Folge sein. Fazit Schwitzen ist ein wichtiger Vorgang unseres Körpers der für die Thermoregulation entscheidend ist. Zuviel Bekleidung bei heißen Temperaturen oder stark schweißtreibender Tätigkeit unterbindet die Wirkung von Schweiß und kann über eine Verschiebung der Körpertemperatur sogar leistungsmindernd wirken

Schwitzen zum „Gewicht machen“

Diese Vorgehensweise kennt man aus allen Sportarten bei denen Klassifizierungen abhängig vom Körpergewicht festgelegt sind. Typisches Beispiel der Boxer der es mit der Diät im Vorfeld des Kampfes nicht so genau genommen hat und 2 Tage vor dem Ereignis noch 3kg zuviel auf der Waage hat. Wie geht er vor? 2 Jogginganzüge übereinander und dann ab zum Laufen oder ganz extrem sogar ab damit in die Sauna. Diese Maßnahme zielt nicht darauf ab noch schnell 3 kg Fett zu verbrennen, sondern schlichtweg darauf, 3 kg Körpergewicht zu verlieren. Die Maßnahme wird in so ziemlich jedem Fall greifen, was allerdings verloren geht ist nicht Fett sondern Wasser und in diesem Zusammenhang natürlich auch Elektrolyte. Derartige Maßnahmen werden von vielen falsch interpretiert. Mehr Fett wird dadurch sicher nicht verbrannt! Was aber eintreten kann wenn man es übertreibt ist die sog. Dehydration in Verbindung mit einem Mangel an Elektrolyten. Aus der Sportmedizin ist bekannt, dass es schon bei einem Schweißverlust im einstelligen Prozentbereich vom Körpergewicht zu Leistungsverlusten kommen kann, weshalb jeder der „Gewicht macht“ im Anschluss an die Waage sofort versuchen sollte sich zu rehydrieren. Fazit Mehr Schweiß bedeutet NICHT automatisch mehr Fettverbrennung

Resümee

Sich im Fitness-Studio mit etlichen Lagen Kleidung zu vermummen birgt keinerlei Vorteil. Genug Kleidung bis der Körper auf Betriebstemperatur ist kann als vernünftige Maßnahme bezeichnet werden, danach sollten wir unserer Haut die Möglichkeit geben, Verdunstungsvorgänge zu initiieren um Leistungsverluste zu vermeiden    
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  • Ein hilfreicher Artikel

    Ein hilfreicher Artikel. Ich kenne mich ein bisschen im Fitness- und Gesundheitsbereich aus. Ich habe vor kurzem mit "Fitnessboxen" angefangen, und ich fand es am Anfang sehr hart, obwohl ich vorher schon regelmäßig trainiert habe. Das Training ist auf jeden Fall sehr hilfreich um Stress abzubauen, die Kondition und Kraft zu verbessern und Muskeln aufzubauen. Ich kann Boxen also nur empfehlen als Ersatz oder Ergänzung zu Fitness.

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