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Sex & Kalorienverbrauch: Wirklich besser als „normales“ Cardio?

Ich kenne genug Trainierende, die süffisant von sich behaupten, dass der Bettsport ihr Cardio sei. Und nicht wenige Grinsen dabei dümmlich und fügen ergänzend hinzu, dass sie in der Beziehung auf HIIT setzen. Lifestyle-Magazine und Onlinemedien veröffentlichen alle Monate ihre Fitnesstipps und Ratschläge – die Empfehlung für mehr Sex für eine bessere Figur liest man daher nicht selten. Und wenn schon das bloße Küssen eine nicht unerhebliche Anzahl von Kalorien verbrennen soll, [5] dürfte die Bettakrobatik doch bei weitem besser abschneiden, oder? Zugegeben: Spaßiger und angenehmer als ein paar Runden um den Block zu laufen oder sich im örtlichen Fitnessstudio auf dem Ergometer abzustrampeln, ist die Leibesertüchtigung mit der besseren Hälfte allemal. (Und Studien haben gezeigt, dass der Duft einer betörenden Dame eine positive Wirkung auf den männlichen Testosteronspiegel hat, [6] während die Lust bei Frauen eher den Cortisolspiegel senkt. [7] Geilheit für mehr Testosteron (Mann) und weniger Stress (Frau) – daran kann doch nix verkehrt sein!) Aber wie steht es um den Kalorienverbrauch beim direkten Zweikampf Aug` in Aug` tatsächlich? Ist Sex eine echte Alternative zu altbackenem Cardiotraining? Sollten wir Laufschuhe und Fahrräder einmotten und uns stattdessen lieber einen gemütlichen Abend mit der oder dem Liebsten verbringen? Zwar stellten sich Frappier/Toupin/Karelis (2013) nicht exakt diese Frage, aber sie waren sich dafür nicht zu schade den unmittelbaren Kalorienverbrauch beider Modi miteinander zu vergleichen.

Die Cardio Vs. Sex Studie

Der Sinn und Zweck der Untersuchung bestand darin, den Energieverbrauch (in Kilokalorien) während der sexuellen Aktivität junger Paare „in einer natürlichen Umgebung“ gegenüber dem Energieverbrauch während einer typischen Cardio-Einheit zu messen und gegenüberzustellen. [1]

Das Studien-Setup

Hierzu rekrutierten die Forscher 21 heterosexuelle Paare (Durchschnittsalter: 22,6 Jahre) und verpassten ihnen jeweils das Life-Style & Monitoring Armband, welches unter dem Namen SenseWear vertrieben wird.

Der SenseWear: Was ist das?

sensewear-armBei diesem kleinen Gerät, welches am Trizeps getragen wird, handelt es sich um ein medizinisches Messinstrument (für Klinische Studien, Präventivmedizin, Kardiologie), welches seinen Weg mittlerweile auch in die Kreise von enthusiastischen Athleten gefunden hat, die gerne fleißig Daten sammeln (Mein Autorenkollege Holger Gugg und ich verfügen beide über ein solches Gadget). Der SenseWear verfügt über 2-Achsen-Akzellerometer, der in der Lage ist sämtliche Bewegungen und Körperpositionen zu messen (quasi in 3D). Darüber hinaus verfügt das Gerät über die Fähigkeit zahlreiche Vitalparameter aufzuzeichnen, darunter Hauttemperatur, die galvanische Hautreaktion (Schwitzen/Emotionen) sowie den Wärmefluss (Wärmeabgabe des Körpers). Die vielleicht interessanteste Funktion ist aber folgende: Es misst den Kalorienverbrauch relativ genau (lt. gängigen Studien mit einer Toleranz von 5 %) Zusätzlich zu den Messwerten des SenseWear ermittelten die Wissenschaftler um Frappier die
  • - Wahrgenommenen Kalorienverbrauch
  • - Wahrgenommene Anstrengung
  • - Erschöpfung
  • - Lust (Pleasure)
in Form von Fragen an die Studienteilnehmer unmittelbar nach der Aktivität. Die Probanden absolvierten eine 30-minütige Cardioeinheit auf dem Laufband als Vergleichsaktivität zum Geschlechtsakt.

Die Studienergebnisse

Der durchschnittliche Verbrauch während der sexuellen Aktivität lag bei 101 Kilokalorien (4,2 kcal/min) bei Männern und nur bei 69,1 Kilokalorien (3,1 kcal/min) bei Frauen. Die gemessene mittlere Intensität (in Form von METS aka Metabolische Einheiten) lag bei 6.0 (Männer) respektive 5.6 (Frauen) – was nichts anderes bedeutet, als dass die Männer „härter“ beim Sex „gearbeitet“ haben. Ähh, ja. Berücksichtigt muss natürlich auch der Zeithorizont: Der Geschlechtsakt der Paare lag zwischen 10-57 Minuten (hohe Varianz), wobei der Sex im Schnitt 24,7 Minuten dauerte. Demgegenüber steht die alternative Aktivität – das gute alte steady-state Cardiotraining. Hierbei verbrauchten die Männer rund 276 Kilokalorien (9,2 kcal/min) bei 8.5 METS, während die Frauen mit 213 Kilokalorien (7.1 kcal/min) bei 8.4 METS gehörig aufgeholt haben, was den relativen Kalorienverbrauch betrifft. journal.pone.0079342.g001 Gemäß den Forschern umfasste die sexuelle Aktivität einen Intensitätswert von 71 % (wobei 100 % der Referenzwert, also die Cardioeinheit, ist). Das ist aber noch nicht alles, denn wie immer, gibt es bei solchen Experimenten auch Ausreißer nach oben: So schaffte es einer der Studienprobanden beim Sex einen Verbrauch von sage und schreibe 306 Kilokalorien (Junge! Lass das Cardio sein und bleib beim Sex!) Interessanterweise lagen die Schätzungen zum Kalorienverbrauch, die die Probanden durchführten, relativ nah am realen Wert. (wie man der Grafik entnehmen kann)

Abschließende Worte

Sex gehört mit Sicherheit zu einer der angenehmsten Freizeitbeschäftigung, die mir in den Sinn kommt und irgendwie gehört das ja zu einem gesunden Lifestyle auch dazu. Auch wenn sich die sexuelle Aktivität in den meisten Fällen gegenüber dem traditionellen Ausdauersport nicht als überlegen erwiesen hat – jedenfalls hinsichtlich des Kalorienverbrauchs – spricht in meinen Augen nichts dagegen die eine oder andere Runde auf dem Laufband sausen zu lassen und sich dafür lieber ein wenig mehr im Bett zu vergnügen. Immerhin gab es unter den Studienkandidaten einige, die sogar den Verbrauch auf dem Cardiogerät alt aussehen ließen. Schlechte Neuigkeiten habe ich dagegen für alle Damen, die mit dem Bettsport ihre Linie straffen möchten. Natürlich kann man auch hier nicht über einen Kamm scheren und es bleibt der wilden Spekulation überlassen, welche Tricks man sich bei der Bettakrobatik einfallen lassen kann, um den Kalorienverbrauch in die Höhe zu schrauben. Ist Sex also eine echte Alternative zu normalem Training bzw. Cardio? Nein, aber das soll es eigentlich auch gar nicht, denn wer den Partner verführt, nur um den Kalorienverbrauch zu pushen, für den habe ich schlechte Neuigkeiten. Sex macht nicht nur Spaß, sondern hält auch fit und gesund. Eine Studie an Collegestudenten zeigt beispielsweise, dass diejenigen, die sich öfters dem Liebesakt hingeben, über eine bessere Immunabwehr verfügen, als Collegestudenten, die weniger oft Spaß im Bett haben. [2] Eine hohe Sexfrequenz im hohen Alter schützt darüber hinaus vor Herzattacken, [3] und senkt das Risiko für Prostatakrebs. [4] Vielmehr sollten all jene, die sich gerne im Bett vergnügen den zusätzlichen Verbrauch als angenehmen „Mitnahmeeffekt“ sehen, anstatt einen möglichst hohen Verbrauch anzustreben (Das Kamasutra kann da sicherlich helfen – je anstrengender, umso höher der Verbrauch).In diesem Sinne: Keep on „pumping.“

Quellen

[1] Frappier J. / Toupin, I. / Karelis, A. (2013): Energy Expenditure during sexual Activity in Young Healthy Couples. In: PLoS One. URL: http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0079342. [2] Charnetski, CJ. / Brennan, FX. (2004): Sexual frequency and salivary immunoglobulin A (IgA). In: Psychol Rep. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15217036. [3] Araujo, AB., et al. (2010): Sexual Activity, Erectile Dysfunction, and incident Cardiovascular Events. Am J Cardiol. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20102917. [4] Leitzmann, MF., et al. (2004): Ejaculation Frequency and Subsequent Risk of Prostate Cancer. In: JAMA. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15069045. [5] Donner, E. (2014): How Many Calories Are Burned In A One-Minute-Kiss? In: Livestrong.com. URL: http://www.livestrong.com/article/317175-how-many-calories-are-burned-in-a-one-minute-kiss/. [6] Cerda-Molina et al. (2013): Changes in Men’s Salivary Testosterone and Cortisol Levels, and in Sexual Desire after Smelling Female Axillary and Vulvar Scents. In: Frontiers of Endocrinology. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3809382/. [7] Hamilton, LD. / Meston, CM. (2010): The role of salivary cortisol and DHEA-S in response to sexual, humorous, and anxiety-inducing stimuli. In: Horm Behav. URL: http://pubmedcentralcanada.ca/pmcc/articles/PMC3085649/.
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