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"Paläo-Diät"? Diese Punkte sind NICHT "paläo"

Mit Sicherheit hast du auch schon von dieser Steinzeitdiät gehört. Das Wort “Diät” soll bedeuten: Ernährungsform. Es ist also im klassischen Sinne keine “Diät”, in der du Gewicht verlieren sollst (wohl aber kannst), sondern eine Ernährungsform, die das Essen und das Leben unserer Vorfahren … ja, was eigentlich? “Paläo” leitet sich vom Begriff “Paläolithikum” ab, was für “Altsteinzeit” steht. Eine Zeitspanne, die vor > 2 Millionen Jahren begann und vor circa 10.000 Jahren endete. Die Idee begann mit einem Buch, das 1989 erschien und von einem Biologen veröffentlicht wurde. 10 Jahre später wurde die Idee erneut aufgegriffen von einem anderen Wissenschaftler namens Loren Cordain, dessen Lebenswerk das Erforschen der “Steinzeitnahrung” ist. Doch wie kommt man überhaupt darauf, eine “Steinzeiternährung” zu empfehlen? Nun, das ist leicht erklärt: Jede Tierart ist an einen bestimmten Lebensraum und somit auch an eine bestimmte Ernährungsform (potenziell) angepasst. Der Prozess, der so etwas ermöglicht, nennt sich Evolution. Du wurdest von der Natur also so geformt, dass du in der jeweiligen ökologischen “Nische” leben kannst. Loren Cordain (und mittlerweile Tausend Andere) postuliert: Deine Gene haben sich seit der Steinzeit nicht nennenswert verändert. Daraus folgt: Du bist noch immer daran angepasst. Aber: Unser Lebensstil heute unterscheidet sich nahezu komplett vom Lebensstil, an den unsere Gene “angepasst” (= adaptiert) sind. Daraus folgt die Frage: Ja, wie lebt denn der Steinzeitmensch eigentlich? Bezogen auf die Ernährung wurde ausgiebig geforscht und es wurde Folgendes postuliert: - Obst/Gemüse - viel Eiweiß - wenig stärkehaltige Kohlenhydrate - keine Milchprodukte - kein Getreide - keine Hülsenfrüchte - “gute” Fette (einfach ungesättigte Fettsäuren wie im Olivenöl zum Beispiel) So weit, so gut. In den USA begann diese Welle vor nahezu 10 Jahren. Bei uns beginnt das Ganze jetzt auch, langsam aber stetig: Es gibt unzählige “Paleo”-Kochbücher, Diätbucher, Gesundheitsbücher, ja, sogar schon “Paleo”-konforme Lebensmittel (“Paleo”-Kuchen und so weiter). Von der Grundidee bis heute hat sich die Paleo-Diät in den USA stark gewandelt bzw. zwischenzeitlich enorme Veränderungen durchgemacht, die auch sehr häufig zu großartigen Missverständnissen führten bezogen auf Ernährungsratschläge etc. Du wirst sehen, dass du auch bei uns diese “Missverständnisse” hören wirst, nein, sogar heute schon hörst.

1. Eine Paleo-Diät heute zu praktizieren, bedeutet nicht, den Life-Style unserer Vorfahren zu kopieren

Loren Cordain wollte damals Eckpfeiler entwickeln, die einen Lebensstil emulieren (= nachahmen), nicht zum Kopieren verleiten sollten. Soll heißen: Du musst kein Mammut erlegen, es reicht, wenn du Rindfleisch isst. Du musst keinen Tieren hinterherjagen, es reicht, wenn du dich sportlich betätigst … und so weiter. Viele Paläo-Praktizierende verrennen sich in Kleinigkeiten und sehen das Große und Ganze nicht mehr. Es geht nicht darum, herauszufinden, ob der Steinzeitmensch täglich 20 % Kohlenhydrate oder nur 5 % Kohlenhydrate gegessen hat, sondern darum, ob ein Lebensmittel qualitativ hochwertig daherkommt, sprich "natürlich" ist.

2. Die meisten Jäger und Sammler aßen nicht "Low-Carb"

In der Tat postulierte Loren Cordain damals, dass im Schnitt (!) 40 % der täglich zugeführten Kalorien aus Kohlenhydraten stammten. Hierbei hat er mit diversen Szenarien kalkuliert und wirklich etliche Variablen miteinbezogen. 40 % bedeutet, dass zwar im Schnitt etwas weniger Kohlenhydrate gegessen wurden als heute von der DGE (Deutschen Gesellschaft für Ernährung) empfohlen, aber der Durchschnitt immer noch zu hoch war, als dass man von “Low-Carb als originiale Ernährungsform des Menschen” sprechen kann - in der Tat ernähren sich viele natürliche Völker, insbesondere am Äquator lebende, sehr stärkereich (z. B. Kitava-Bewohner).

3. Eine Very-Low-Carb-Diät bzw. eine ketogene Diät sind keine Synonyme für die Paleo-Diät

Wenn Athleten oder Gesundheitsinteressierte beginnen, sich für “Paleo” zu interessieren, kommt schnell die Frage nach dem Kohlenhydratanteil der Ernährung auf. Und man wird schnell mit der Idee konfrontiert, dass unsere Steinzeit-Vorfahren bisweilen sehr wenige Kohlenhydrate aßen. Tatsächlich ist diese Idee so verbreitet, dass sie häufig 1:1 mit “Paleo” gleichgesetzt wird. Nein: Eine ketogene Diät (= eine Diät mit sehr wenigen Kohlenhydraten und wenig(er) Protein) ist nicht gleichzusetzen mit einer Paläo-Ernährung.

4. Es ist am besten, wenn man Paleo als Template sieht und nicht als "Diät" (oder "Ernährungsform")

Wie bereits erwähnt, verrennen sich Viele früher oder später im Sumpf des Irrglaubens. Was soll ich jetzt essen? 20 % oder 30 % Eiweiß? Sind Macadamia-Nüsse “paläo” oder doch nicht? Süßkartoffeln sind okay, aber Kartoffeln … eher nicht. Und so weiter. Wenn es dich betrifft: Du solltest aufhören damit, denn du findest sowieso nie “die Wahrheit” heraus. Du wirst nie “die perfekte Ernährung” finden und praktizieren können. Sieh lieber die Grundpfeiler (Bewegung, Sonne, “Iss natürlich”, guter Schlaf), anstatt dich im Ernährungsdschungel zu verirren.

5. Es gibt nicht DAS Programm für Jedermann

So verschieden wie die Menschen sind, so verschieden sind auch ihre Bedürfnisse. Du kannst keine Ernährungsempfehlung geben (z. B. “Iss keine Kohlenhydrate”), die für jede Bevölkerungsgruppe gilt. Ob krank, alt, gesund, hochgesund, leistungsfähig, schwabbelig, schlau, müde - du verstehst. Ein tatsächliches Bedürfnis kann sich beim selben Menschen von Tag zu Tag sogar ändern: Heute bist du ein FitnessFreak und hast gepumpt, morgen willst du regenerieren. Daraus folgt: Zwei unterschiedliche Settings mit vermutlich zwei unterschiedlichen (Ernährungs-)Bedürfnissen. Soll heißen: Lass dich nicht binden an feste Konzepte und Ernährungsratschlage. Bleibe flexibel, nicht nur in deiner Denkweise, sondern auch in der Auswahl deines Life-Style-Settings.

6. Zucker ist kein Gift

Das mag dich schocken, denn wir haben - freilich - genug zum Thema Zucker gehört, damit wir eindeutig wissen, dass es “ein Gift” ist. Na: Von welchem Zucker reden wir heute? Laktose, Fruktose, Saccharose, Glukose, Stärke … - du merkst: Es gibt “Zucker” (plural) wie Sand am Meer. Das heißt, man müsste erst einmal klar definieren, welcher Zucker denn giftig sein soll. Es gibt Schlaue, die machen es schlau und streichen gleich mal jeden Zucker vom Speiseplan. Sicher ist sicher. Tatsächlich - und das wusste schon Paracelsus vor mehreren Tausend Jahren - macht die Dosis das Gift. Wenn man also Ratten nimmt und ihnen 100 g Fruktose (äquivalente Menschenmenge) einverleibt … na ja. Fakt ist: Du kannst dir absolut sicher sein, dass Cola (= viel “Zucker”) nicht mit der Banane gleichzusetzen ist - als Beispiel. Solange deine “Zucker”-Quellen natürlichen, schwach verarbeiteten Ursprungs sind, wird dein Körper keine Probleme haben, dir zu sagen, wann er genug davon hat.

7. Bohnen sind weit mehr Paleo-freundlich, als du das glauben magst

Solche Probleme sind klassisch: Bohnen standen nie auf dem Speiseplan der Steinzeitmenschen, also sind sie für dich schädlich. Sie enthalten gefährliche sekundäre Pflanzenstoffe, die deinen Darm kaputt machen etc. Behilft man sich bezüglich der Paläo-Ernährung häufig der Epidemiologie (Beobachtung von Bevölkerungsgruppen und daraus schlussfolgert man Zusammenhänge), vor allem bei Jäger-und-Sammler-Kulturen, so ist die Epidemiologie an modernen Menschen … natürlich unbrauchbar (Achtung, Ironie). Denn das Verbot von Bohnen ignoriert die Tatsache, dass Menschen der “Blue Zones” (Orte mit den meisten Langlebigen) sehr viele Bohnen essen, es sogar ein Hauptnahrungsmittel ist. Darüberhinaus wurde von einem Forscher-Team gezeigt, dass sogar Neanderthaler-Individuen Bohnen verzehrt haben - die chemische Struktur der Reste wies sogar auf einen gekochten Zustand hin. Fazit: Der Verzicht auf Bohnen schadet nicht, wenn du herausfinden möchtest, ob du dich ohne Bohnen wohler fühlst. Auf der anderen Seite muss man sie auch nicht auf die “Verboten-Liste” setzen, denn sie passen durchaus in einen gesunden Lebensstil.

8. Paleo dreht sich nicht nur um Essen

“Paleo” ist weit mehr als nur Essen. Paleo meint einen kompletten Lebensstil, der ebenfalls profund auf deine Gesundheit wirkt: Soziale Kontakte, optimale Regneration, Bewegung an der frischen Luft, der Anblick der Natur, Pflegen von Interessen, Hunde … sind alles Punkte, die zu einem “Paleo”-Life-Style dazugehören (sollten) und die im Zuge der ewigen Ernährungsdiskussionen all zu gerne vergessen und ignoriert werden.

9. Paleo-freundliche Stärkequellen sind nicht zu vergleichen mit industriell verarbeiteten Stärkequellen

Um noch einmal die “Zucker”-Thematik aufzugreifen. Ein Beispiel: Diverse Arbeiten zeigen, dass Fruktose nicht im Muskel, sondern in der Leber landet. Überfrisst man sich an Fruktose, ist die Gefahr gegeben, dass daraus Fett gebildet wird und die Leber entsprechend verfettet. Glukose hingegen wird präferiert im Muskel gespeichert. Stärke besteht aus langen Glukose-Ketten. Eine Kost, die Stärke enthält, ist aus dieser Perspektive weit weniger “obesogen” (= dickmachend) als Fruktose. Außerdem musst du die Quelle unterscheiden: Das hochverarbeitete Brötchen vom Bäcker ist kaum zu vergleichen mit - beispielsweise - einer Süßkartoffel, die darüberhinaus mit sekundären Pflanzenstoffen daher kommt, die deine Glukose-Aufnahme verbessern können (=> Insulin-Sensitivität).

Fazit und Zusammenfassung

Du hast hier 9 Punkte kennen gelernt, die du nicht derart dogmatisch angehen solltest, wie das Viele bereits tun und getan haben. Du solltest differenziert bleiben und dir das Beste herauspicken, ohne dabei andere Dinge zu verurteilen - denn du kannst nie mit absoluter Sicherheit sagen, welches Nahrungsmittel “paleo” ist und welches nicht. Beherzigst du diese Punkte, kannst du damit ebenfalls verblüffende Erfolge feiern (siehe Titelbild; Quelle: Marks Daily Apple). (Der Artikel ist frei adaptiert nach einem Originalartikel von Chris Kresser)  
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