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CLA: Wirkt konjugierte Linolsäure anabol?

Transfette genießen nicht nur in der Fitness-Community einen schlechten Ruf. Die schädlichen Effekte, die man einst rigoros den (eher) tierischen Fetten zugesprochen hat, d.h. Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, ein gestiegenes Krebsrisiko, Insulinresistenz, Übergewicht und Funktionsstörungen der Leber, lassen sich in Wahrheit auf diesen besonderen Fett-Typus zurückführen, der heute noch immer breitflächig bei der Lebensmittelproduktion („gehärtete Fette“) eingesetzt wird. (Transfette finden sich beispielsweise in Margarine, Pommes, Chips und überall dort, wo Fastfood frittiert wird) Der aufgeschlossene und wissbegierige Fitnessfreak sollte aber mittlerweile wissen, dass innerhalb der einzelnen Makronährstoffe eine große Heterogenität herrscht. Nicht alle Kohlenhydrate sind oder wirken gleich. Das gleiche gilt für Eiweiße, aber vor allem für Fette. Die richtige Faustregel lautet hier: Wenn es von Menschenhand geschaffen und/oder stark bearbeitet ist, dann gibt es meistens einen Haken. Derartige Substanzen sind unserem Körper allzu oft fremd und sie entfalten eine ganze Reihe an unerwünschten Nebeneffekten, die sich erst in der langen Frist bemerkbar machen. So ist es auch bei den Transfetten und man würde ihnen Unrecht tun, wenn man sie gleichermaßen über einen Kamm schert. Vielleicht hat es sich ja bereits zu euch herumgesprochen, dass Transfette auch in der Natur vorkommen und – sofern sie über natürliche Produkte aufgenommen werden – eine völlig andere Wirkung im menschlichen Körper entfalten, als ihre industriell-hergestellten Brüder. Eine dieser natürlichen Transfette ist CLA, die konjugierte Linolsäure – und genau um diese interessante Substanz geht es im heutigen Artikel.

CLA – Eine Kurzeinführung

Die natürlich vorkommende konjugierte Linolsäure finden wir unter anderem in Milchprodukten, darunter Butter, Käse und Joghurt sowie im Fleisch von Wiederkäuern (z.B. Rindern). Hierbei handelt es sich um Isomere von Fettsäuren, die eine ähnliche Struktur aufweisen wie die Linolsäure (18 Kohlenstoffatome, 2 Doppelbindungen). Wenn jemand von CLA spricht, dann bezieht er sich häufig auf die zwei typischen Versionen, die sich lediglich in der Position der Doppelbindung im Molekül unterscheiden:
  • - Die cis-9,trans-11 Version („C9“ Isomer)
  • - Die trans-10,cis-12 Version („C10“ Isomer)
Ich weiß, dass viele von euch gar nicht so tief in die Materie einsteigen möchten, aber es kann nicht schaden, wenn man dies einfach mal so zur Kenntnis nimmt – vielleicht erweist sich die Kenntnis ja irgendwann noch einmal als nützlich. Wir wissen also, dass CLA in den oben erwähnten Produkten vorkommt, allerdings lässt sich diese Behauptung nur dann aufrechterhalten, wenn wir von Tieren reden, die artgerecht gefüttert wurden. Daher möchte ich von vorn herein klarstellen: Die Getreidefütterung unserer Nutztiere ist alles andere als natürlich und verändert das Fettprofil in signifikantem Ausmaß zum Negativen, was letztlich zu einer Dysbalance bei unserer eigenen Fettaufnahme (zu viele Omega-6-Fettsäuren, zu wenige Omega-3-Fettsäuren) beitragen kann – mit all seinen gesundheitlichen Folgen. [4] Weidefleisch stellt z.B. einen sehr guten Lieferanten für Omega-3-Fette dar - was ziemlich gut erklärt, weshalb Populationen, die sich früher relativ fischarm ernährt haben, dennoch über eine solide Versorgung der essenziellen Fettsäuren verfügten [2][3][4][5][6][7] – aber das nur am Rande! Wo synthetisch hergestellte Transfette der Gesundheit schaden, geht die Version von Mutter Natur, die mit Hilfe von Bakterien in den Mägen der Wiederkäuer über anaerobe Stoffwechselprozesse entsteht, einen anderen Weg: CLA verringert die Entzündungsrate im Darm und scheint einen Schutz vor Krebs zu bieten. [8][9][10] Die konjugierte Linolsäure wird zwar von der Fitness- und Supplementindustrie als „natürlicher Fat-Burner“ angepriesen, allerdings steht diese Behauptung nur auf wackligen Beinen. [4] Das liest sich alles schon sehr angenehm, aber wenn ihr auf den heutigen Artikel geklickt habt, dann werdet ihr vermutlich nicht nach diesen Infos gesucht haben (ihr bekommt sie trotzdem!), sondern weil ihr wissen möchtet, was es mit dem „anabolen Versprechen“ auf sich hat, oder? Na gut – dann will ich mal nicht so sein!

CLA & Beeinflussung der Körperkomposition

Ich habe ja bereits weiter oben erwähnt, dass CLA als natürlicher Fat-Burner bezeichnet und von der Supplementindustrie aggressiv beworben wird. Wenn es euch so wie mir geht, dann seid ihr bei Supplementen an zwei Dingen interessiert: 1.) Hilft es mir dabei Fett zu verlieren und 2.) Hilft es mir dabei Muskeln aufzubauen. In der Theorie heißt es, dass das C10-Isomer dem Körper bei der Verstoffwechselung von Fettenergie behilflich sein soll, muskelschützendwirkt und die De novo Lipogenese (Herstellung von Fettzellen) einschränkt, [11][13][14][18] während das C9-Isomer einen Einfluss auf die Insulinsensitivität ausübt und diese positiv (bei Gesunden & Normalgewichtigen) beeinflussen kann. [12][16] (allerdings nicht in Diabetikern Typ II [15] und Übergewichtigen [17]) Die Effekte auf die Reduktion von Körperfett sind aber in den meisten Fällen stark überzogen. Das Gros der Studien zeigt in diesem Bereich nur minimale Effekte (oder gar keine). Bei Tierversuchen ist die CLA-Gabe oftmals effektiver, was man auf die höhere Dosierung in Versuchen zurückführen könnte. (Die meisten Humanstudien arbeiten nämlich in einem Bereich von 3-6 Gramm CLA, während in Tierversuchen menschliche Äquivalents-Dosierungen von bis zu ~50g realisiert werden) Wie man es auch dreht und wendet: Die Ergebnisse sind sehr diffus und inkongruent.

CLA & Anabole Wirkung

Bei dieser Fragestellung beziehe ich mich hauptsächlich auf eine erst kürzlich publizierte Studie von Macaluso et al. aus dem Jahr 2012, die im Journal of Strength and Conditioning Research unter dem Titel „Effects of conjugated linoleic acid on testosterone levels in vitro and in vivo after acute bout of resistance exercise“ erschienen ist.“ [1] In dieser Studie untersuchten die Forscher die Auswirkungen der CLA-Supplementation auf zwei Arten: Zum einen mit Hilfe eines In Vitro-Setups (im Reagenzglas) und zum anderen in einem In Vivo. (als Humanversuch bei trainierenden Individuen).

CLA & Testosteronsynthese im In Vitro-Versuch

Beim dem In Vitro-Versuch behandelte man Leydig-Zellen (das sind die Zellen, die in den männlichen Testikeln für die Testosteronsynthese verantwortlich sind) für 24-48 Stunden mit unterschiedlichen CLA-Konzentrationen, was zu einem signifikanten Anstieg der Testosteronkonzentration im 48-stündigen Zeitfenster führte. Die Frage aller Fragen: Konnten diese Ergebnisse in der Humanstudie verifiziert werden?

CLA & Testosteronsynthese im lebenden Menschen

Der In Vivo-Versuch umfasste 10 Probanden, die bereits ihre Erfahrungen mit Krafttraining gesammelt haben. Im Zuge der Untersuchung bildete man zwei Gruppen, wobei die CLA-Gruppe 6 Gramm CLA erhielt, während sich die Kontrollgruppe mit einem Placebo begnügen musste. Die Forscher beobachteten im Studienzeitraum (3 Wochen) den Gesamt-Testosteronwert sowie die Werte für SHBG (gebundenes Testosteron) im Blut – was als Indikator für eine höhere Testosteronproduktion im Körper dienen sollte. Kraftsport sorgt – oh große Überraschung – für einen Testosteronanstieg, allerdings zeigt sich zur Überraschung der Forscher, dass sich die CLA-Gruppe in der Post-Workout-Phase über einen stärkeren Testosteronausstoß freuen durfte, während bei der Placebo-Gruppe nur moderate Steigerungen erzielt wurden. Diese Erkenntnis deckt sich natürlich mit den Ergebnissen des In Vitro-Versuchs, was zu der Annahme führt, dass CLA über bestimmte Signalpfade die Testosteronsynthese beeinflussen kann. Herfür machen die Forscher ein Protein namens Perilipin verantwortlich, [19][20] welches die Fettnutzung im Körper beeinflussen kann. (Und wir wissen ja wie Testosteron synthetisiert wird – nämlich aus Fetten). Durch die verstärkte Bildung von freiem Cholesterin soll so auch die Testosteronsynthese angekurbelt werden. Was mich ein wenig stutzig macht: Schaut man sich das Abstract des wissenschaftlichen Papers an, kommt es aber zu Widersprüchen, denn dort lautet das Fazit der Forscher: „CLA supplementation induced an increase in testosterone levels in Leydig cells in vitro after 48 hours but not in vivo before and after a resistance exercise bout.“ Hier scheinen sich die beteiligten Wissenschaftler dann doch nicht ganz einig zu sein, wie man die Ergebnisse interpretieren soll. Einige der von mir weiter oben aufgeführten Studien zeigen aber, dass CLA das Potenzial besitzt, um die Magermasse zu steigern. Einen gewissen Effekt scheint es also zu geben. Offen bleibt die Frage, in welchem Ausmaß sich das ganze abspielt und in welchem Rahmen die optimale Dosierung liegen könnte.

Abschließende Worte

Was wir aus diesem Artikel lernen können, ist folgendes:
  1. Bei CLA handelt es sich um eine natürlich vorkommende Transfettsäure, die andere Effekte auslöst, als jene Kunstfette, die in der industriellen (Lebensmittel)-Herstellung entstehen.
  2. Geringe Mengen an CLA kommen in natürlichen Nahrungsmitteln, darunter Fleisch und Milchprodukten vor, WENN die Tiere artgerecht gefüttert wurden.
  3. CLA als Fat-Burner wird gnadenlos überschätzt, die Studien widersprechen sich teilweise.
  4. CLA ist in der Lage die Testosteronsynthese zu modulieren. Innerhalb der Studie von Macaluso et al. wurde mit einer Dosierung von 6 Gramm CLA / Tag gearbeitet, allerdings war der Testzeitraum sehr gering und das Paper ist nicht ganz klar, wenn es um das Ziehen eines Fazits geht.
Wie immer gilt daher der goldene Abschlusssatz: Es müssen weitere Forschungen in dem Bereich getätigt werden, bevor man endgültige Aussagen treffen kann. Muss man CLA deswegen supplementieren? Nein, aber man kann zumindest mit den entsprechenden natürlichen Nahrungsmitteln liebäugeln und sich daran gütlich tun.

Quellen

[1]Macaluso et al. (2012): Effects of conjugated linoleic acid on testosterone levels in vitro and in vivo after acute bout of resistance exercise. In: J Str Cond Res. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22614148. [2] Ip et al. (1991): Mammary Cancer Prevention by Conjugated Dienoic Derivative of Linoleic Acid. In: Cancer Res. URL: http://cancerres.aacrjournals.org/content/51/22/6118.short. [3] McGuire, MA. / McGuire, MK. (2000): Conjugated linoleic acid (CLA): A ruminant fatty acid with beneficial effects on human health. In: J Anim Sci. URL: http://www.animal-science.org/content/77/E-Suppl/1.33.full.pdf. [5] Hebeisen et al. (1993): Increased concentrations of omega-3 fatty acids in milk and platelet rich plasma of grass-fed cows. In: International Journal of Vitamin and Nutrition Research. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7905466. [6] Daley et al. (2010): A review of fatty acid profiles and antioxidant content in grass-fed and grain-fed beef. In: Nutrition Journal. URL: http://www.nutritionj.com/content/9/1/10. [7] Masterjohn, C. (2014): Fatty Acid Analysis of Grass-fed and Grain-fed Beef Tallow. In: Westonprice.org. URL: http://www.westonaprice.org/know-your-fats/fatty-acid-analysis-of-grass-fed-and-grain-fed-beef-tallow. [8] Bassaganya-Riera et al. (2012): Conjugated linoleic acid modulates immune responses in patients with mild to moderately active Crohn’s disease. In: Clinical Nutrition. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22521469. [9] Ip, C. / Scimeca, JA. / Thompson, HJ. (1994): Conjugated linoleic acid. A powerful anticarcinogen from animal fat sources. In: Cancer. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8039138. [10] Lau, DS. / Archer, MC. (2010): The 10t,12c isomer of conjugated linoleic acid inhibits fatty acid synthase expression and enzyme activity in human breast, colon, and prostate cancer cells. In: Nutrition and Cancer. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20043266. [11] Sneddon et al. (2008): Effect of a conjugated linoleic acid and omega-3 fatty acid mixture on body composition and adiponectin. In: Obesity. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18356842. [12] Lambert et al. (2007): Conjugated linoleic acid versus high-oleic acid sunflower oil: effects on energy metabolism, glucose tolerance, blood lipids, appetite and body composition in regularly exercising individuals. In: Br J Nutr. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17381964. [13] Pinkoski et al. (2006): The effects of conjugated linoleic acid supplementation during resistance training. In: Med Sci Sports Exerc. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16531905. [14] Kamphuis et al. (2003): The effect of conjugated linoleic acid supplementation after weight loss on body weight regain, body composition, and resting metabolic rate in overweight subjects. In: Int J Obes Relat Metab Disord. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12821971. [15] Moloney et al. (2004): Conjugated linoleic acid supplementation, insulin sensitivity, and lipoprotein metabolism in patients with type 2 diabetes mellitus. In: Am J Clin Nutr. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15447895. [16] Eyolfson, V. / Spriet, LL. / Dyck, DJ. (2004): Conjugated linoleic acid improves insulin sensitivity in young, sedentary humans. In: Med Sci Sports Exerc. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15126715. [17] Syvertsen et al. (2007): The effect of 6 months supplementation with conjugated linoleic acid on insulin resistance in overweight and obese. In: Int J Obes. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17031391. [18] Obsen et al. (2010): Trans-10, cis-12 conjugated linoleic acid decreases de novo lipid synthesis in human adipocytes. In: J Nutr Biochem. URL: www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0955286311000891. [19] Brasaeemle, DL. (2007): Thematic review series: Adipocyte Biology. The perilipin family of structural lipid droplet proteins: stabilization of lipid droplets and control of lipolysis. In: J Lipid Res. URL: http://www.jlr.org/content/48/12/2547. [20] Kraemer et al. (2013): Cholesterol ester droplets and steroidogenesis. In: Mol Cell Endocrinol. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23089211.
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