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Muskelokklusionstraining – Fördert eine schlechte Blutzufuhr Muskelaufbau?

Okklu – Was? --  Das denken sich jetzt sicher viele von Euch und als ich vor einigen Jahren das erste Mal von Okklusionstraining gehört habe ging es mir genauso. Lasst mich also heute einmal ein für viele sicher neues interessantes Thema aus der Trainingslehre anschneiden und in diesem Zusammenhang eine Stellungnahme abgeben, ob Muskelokklusionstrainnig eine effektive Trainingsalternative darstellen kann oder nicht.

Muskelokklusionstraining

Aus der Medizin kennt man Okklusion in Verbindung mit dem Verschluss eines Hohlorgans, eines Gefäßes oder einer Körperpassage.  Unter dem sog. Okklusionseffekt versteht man eine blockierte Abgabe von Wärme und Schweiß über die Haut der beispielsweise über die Körperbedeckung oder Salben herbeigeführt wird.  In der Trainingslehre bezeichnet man als Okklusionstraining eine Workout-Variante, die mit sehr niedrigem Widerstand arbeitet und bei der absichtlich über Manschetten eine teilweise oder komplette Unterbrechung der Blutzufuhr herbeigeführt wird. Unterm Strich trainiert man bei Muskelokklusionstraining einen Muskel, der von der Versorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff abgeschnitten ist und bei dem auf der anderen Seite zeitgleich auch kein Abtransport von Stoffwechselendprodukten stattfindet. Natürlich ist der erste Gedanke hier, dies als eine originelle aberwitzige Idee abzutun, kurz zu schmunzeln und nicht weiter darüber nachzudenken, denn die Versorgung mit Nährstoffen, Sauerstoff und auch ein Transport von Hormonen der ja bekanntlich über das Blut stattfindet  ist eine Voraussetzung für Muskelwachstum. Wären da nicht tatsächlich Studien, die gerade diese Art des Trainings, also ein Widerstandstraining mit 20-50% des 1-RM (Maximum der Einzelwiederholung) unter Okklusion in Verbindung mit Hypertrophieeffekten und Kraftzuwächsen bringen, die mit denen eines herkömmlichen Widerstandstrainings vergleich bar sind. Fazit 20-50% des 1-RM bei sehr geringer Intensität und unter Ausschluss der Versorgung als neue effektive Art des Muskeltrainings?   --  Jetzt wird es interessant

Wie es funktioniert

Thesen und Theorien wie es zu oben genannten Studienergebnissen kommen kann gibt es eine Menge.  Eine davon basiert auf einer Studie von Yudia Takaradia und Team die bei einem Training mit nur 40% 1-RM unter Okklusion eine vergleichbare Rekrutierung von Motoreinheiten aufwies, wie man sie bei einem üblichen Widerstandstraining mit 80% 1-RM via EMG (elektromyographische Aktivität) messen konnte. Eine andere These geht davon aus, dass der künstlich herbeigeführte Versorgungsnotstand im Muskel zu einer nachfolgenden Erhöhung des Wachstumshormonaufkommens führt. Letztlich basiert eine andere Theorie auf der Annahme, dass es unter Okklusion zur Erhöhung intrazellulärer Signalmoleküle, einer Queraktivierung von mechanosensitiven Kanälen und einer Hemmung der Myosinaktivität kommt. Fazit An Theorien zur Wirkungsweise von Okklusionstraining mangelt es nicht, weshalb der Ansatz zumindest in der Theorie auf keinen Fall verworfen werden sollte

Okklusionstraining und die Praxis

Eine Anwendung von Okklusion für Trainingszwecke scheitert bei einem Großteil aller Trainierenden an der praktischen Umsetzung. Richtige Anwendung erfordert spezielle, äußerst kostspielige Manschetten (Kaatsu-Manschetten) und die Anlegung dieser mit einem bestimmten Druck der unnötige Belastung von Gliedmaßen und umliegenden Geweben verhindert. Wer zu stark abbindet riskiert damit Gewebsschäden der direkt betroffenen Muskulatur und zudem eine Hemmung des Muskelwachstums in diesem Umfeld. Im schlimmsten Fall kann es bei falscher Anwendung sogar zu Rhadbomolyse, einer schwerwiegenden Schädigung des Muskels kommen, die neben beschädigtem Gewebe auch mit einer Erhöhung von Creatinkinase-Werten verbunden ist. Letztlich bleiben beim Okklusionstraining durch die geringe Belastung Adaptionseffekte des passiven Bewegungssystems aus, eine weitere Komponente die eher für normales Widerstandstraining spricht, wenngleich andererseits sich hier wiederum Trainingsmöglichkeiten für Personen ergeben würden die gerade hier Schwierigkeiten haben. Fazit Leider ist die praktische Umsetzung eines vernünftigen Okkluisionstrainings eine sehr kostspielige und aufwändige Sache

Wie man es nicht machen sollte

Aus Fehlern anderer lernen – An dieser Stelle noch eine kleine Anekdote aus meiner eigenen Trainingszeit. Ich habe das erste Mal vor etlichen  Jahren auf etwas andere Art und Weise von Okklusionstraining erfahren.  Es hieß im Studio: „Bindet Euch die Arme ab und macht dann Eure Sätze. Das nennt sich Okklusionstraining und ist DIE neue Innovation!“ Gesagt getan, schon wurde die Schere gezückt und aus einem Baumwoll-Shirt wurden provisorische Manschetten herausgeschnitten die wir uns dann um die Bizeps gebunden haben um damit zu curlen, nicht im Bereich von 20-50% 1-RM sondern Vollgas! Positiv zu beobachten war der unglaubliche Pump den wir jedes Mal hatten, wenn wir uns nach dem Satz die Manschette wieder abgenommen haben. Als große Dummheit stellte sich das Ganze am nächsten Tag heraus, an dem sich Blutergüsse an den Stellen der viel zu dünnen und viel zu eng angelegten Manschetten gebildet hatten. Eine schmerzhafte Erfahrung die ich Euch mit meiner kleinen eigenironischen Darstellung wirklich ersparen möchte Fazit Okklusionstraining erfordert das richtige Equipment und die richtigen Belastungsintensitäten. Alles andere endet in einer schmerzlichen Erfahrung

Resümee

Der Ansatz des Trainings unter Okklusion ist in der Theorie weit weniger abwegig als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Wer die Gelegenheit auf ein derartiges Training mit den nötigen Gegebenheiten hat, sollte diese in jedem Falle nutzen. Selbstexperimente wie das Meinige in diese Richtung  kann ich nicht empfehlen.
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  • Nur um das KAATSU -Training noch etwas zu untermauern

    Nur um das KAATSU -Training noch etwas zu untermauern: tatsächlich wird es seit Jahrzehnten erfolgreich in der allgemeinen muskulo-skelettalen und viszeralen Rehabilitation eingesetzt. Im medizinisch-therapeutischen Einsatzbereich erlebe ich täglich den Fortschritt meiner Klienten. Aber eben, es ist nichts für Laien!

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